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Industriedenkmale in Augsburg: Ein Rundgang durchs tim und das Gaswerk Oberhausen

9.8.2026

Augsburg & Schwaben
Pressemitteilung

Mit Unterstützung von Stephanie Schuhknecht und deren Mitarbeitern besuchte die Grünen-Landtagsabgeordnete Sabine Weigand zwei bedeutende Industriedenkmale in Augsburg.

Das tim – Staatliches Textil- und Industriemuseum

Erste Station war das Staatliche Textil- und Industriemuseum, kurz „tim“ genannt. Es bildet den Fixpunkt im ehemaligen Textilviertel östlich der Augsburger Altstadt. Seit 1836 war auf diesem Areal die Augsburger Kammgarnspinnerei ansässig; das heutige Museumsgebäude entstand in der dritten Ausbauphase des Betriebs.

Museumsleiter Dr. Karl Borromäus Murr führte die zahlreichen Gäste – neben den Landtagsabgeordneten Sabine Weigand und Stephanie Schuhknecht u. a. Christine Kamm (MdL a. D.), Michael Habres (Landesamt für Denkmalpflege), Michael Künzler (Untere Denkmalschutzbehörde) und Marie Rechthaler (Stadtratsfraktion) – durch die Ausstellungshallen und schilderte die Augsburger Textilgeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart. Thematisiert wurden dabei die internationalen Verflechtungen, sowohl was die Herkunft der Rohstoffe als auch den Vertrieb der Erzeugnisse betrifft, ebenso wie die damaligen sozialen Bedingungen rund um die Fabrik. Eine lautstarke Vorführung der historischen mechanischen Webstühle rundete die Führung ab.

Die Geschichte des Betriebs endete 2002 mit einer Insolvenz – die Stadt Augsburg stand daraufhin vor der Frage, wie mit den leerstehenden Hallen zu verfahren sei. Die Bereitschaft des Freistaats, sich finanziell an einem staatlichen Museum zu beteiligen, gab schließlich den Ausschlag für die Entwicklung des gesamten Geländes. 2010 wurde das tim eröffnet; die Kosten beliefen sich auf 21 Millionen Euro, getragen von der Stadt Augsburg (11 Mio.), dem Bezirk Schwaben (4 Mio.) und dem Freistaat (6 Mio.), der auch den laufenden Betrieb finanziert.

Seitdem ist ein attraktives postindustrielles Stadtviertel entstanden: Die Stadtarchäologie und das Stadtarchiv haben hier eine neue Heimat gefunden, ein Supermarkt ist eingezogen, und es entsteht neuer Wohnraum. „Es ist ein bisschen schade, aber auch verständlich, dass nicht alle Sheddachhallen erhalten werden konnten – die Symbiose zwischen baulichem Erbe und Moderne scheint hier insgesamt geglückt“, zog Sabine Weigand ein Fazit.

Das ehemalige Gaswerk Oberhausen

Zweite Station des Tages war das ehemalige Gaswerk im Ortsteil Oberhausen. Die Besuchergruppe wurde von Stefan Schleifer und Reidar Nyreröd empfangen, leitenden Mitarbeitern der swa Kreativwerk GmbH, einer Tochtergesellschaft der Stadtwerke Augsburg.

Das Gaswerk wurde 1913 bis 1915 erbaut, war bis 2001 in Betrieb und befindet sich nach wie vor im Besitz der Stadtwerke. Es sei, so Schleifer, „ein Denkmal von europäischem Rang“, da die gesamte Gasproduktion in all ihren Stadien und Erscheinungsformen noch am Gebäudebestand ablesbar sei. Geprägt wird das weitläufige Areal vom Scheibengasbehälter im Osten und dem Ofenhaus im Westen. Nach und nach werden die Gebäude auf dem Gelände saniert und einer kulturellen Nutzung zugeführt. Insgesamt haben die Stadtwerke dort 66 Millionen Euro investiert – dem stehen lediglich 166.000 Euro an Denkmalschutzfördermitteln von der Bayerischen Landesstiftung gegenüber.

Einige Gebäude sind bereits saniert, etwa das Ofenhaus, in dem heute die Ausweichspielstätte des Stadttheaters sowie ein Ballettübungsraum untergebracht sind. Im pavillonartigen Apparatehaus befindet sich eine stylische Bar. Wegen Schadstoffeinträgen im Boden mussten zwei Gebäudeteile abgebrochen und in kontrastierender Architektur an gleicher Stelle neu errichtet werden. Für den riesigen Scheibengasbehälter sowie für einen der beiden Teleskop-Gasbehälter ist eine attraktive Nutzung im Gespräch. Die Überlegungen zur Sanierung des großen Reinigergebäudes stehen noch am Anfang, doch auch hier zeichnet sich eine mögliche Nutzung als Veranstaltungshalle ab. Zudem wird das Gelände für Freiluftveranstaltungen genutzt – etwa das Modular-Festival –, die im Industriegebiet auch einen höheren Lautstärkepegel erreichen dürfen. Die kleineren Gebäude sind an Firmen der Kreativwirtschaft vermietet, als Künstlerateliers, Proberäume oder für die Musikwirtschaft.

Neu errichtet wurde zudem ein massives Parkhaus im Westen, das zugleich eine wichtige Brandschutzfunktion gegenüber den benachbarten Heizöllagertanks übernimmt.

Sabine Weigand zeigte sich sehr beeindruckt: „Es ist faszinierend, wie die Stadtwerke Augsburg mit dem Gelände und ihrem baulichen Erbe umgehen. Anstatt einen Komplettabriss anzustreben, wird hier mit Bedacht und einem klaren Konzept folgend zielgerichtet investiert. Das ist vorbildlich!“