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Ein freiwilliges Jahr fürs Handwerk – aber mit Plan

3.12.2026

Pressemitteilung
Wirtschaft
Landtags-Grüne wollen Pilotprojekt „Freiwilliges Handwerksjahr“ deutlich ausbauen | Andreas Birzele: „Der Schnellschuss der Staatsregierung ist konzeptlos und unterfinanziert. Uns geht es darum, dass das Handwerksjahr solide geplant und professionell umgesetzt wird.”  
Ein Jahr lang vier verschiedene Handwerksberufe für je drei Monate ausprobieren und dabei den Weg in eine Ausbildung ebnen. Das ist die Idee hinter dem “Freiwilligen Handwerksjahr”. Weil das von der Staatsregierung angedachte Pilotprojekt eines Freiwilligen Handwerksjahrs weder Hand noch Fuß hat, fordern die Landtags-Grünen in einem Änderungsantrag zum Haushalt für das Pilotprojekt in Bayern mehr Geld, weitere Modellregionen und ein klares Konzept. Denn nur so kann eine gute Idee zu einem tatsächlich tragfähigen Modell für ganz Bayern werden.
Andreas Birzele, selbst Schreinermeister und Beauftragter für das Handwerk der Landtags-Grünen: „Die Staatsregierung will für ihr konzeptloses Pilotprojekt gerade einmal 150.000 Euro bereitstellen – und das zunächst nur für das Jahr 2026. Wir schlagen dagegen 500.000 Euro für zwei Jahre vor, um ein wirklich tragfähiges Modellprojekt mit klarer Struktur, mehreren Modellregionen und einer wissenschaftlichen Begleitung aufzubauen. Zum Vergleich: Die jährliche Leihgebühr eines Pandas an China kostet den Freistaat ebenfalls 500.000 Euro. Wir finden: Dieses Geld wäre im Bayerischen Handwerk deutlich besser angelegt.“
Das von den Landtags-Grünen vorgeschlagene Modell orientiert sich am erfolgreichen Pilotprojekt der Handwerkskammer Lübeck in Zusammenarbeit mit dem Schleswig-Holsteinischen Institut für Berufliche Bildung. Dort können Jugendliche innerhalb eines Jahres verschiedene Handwerksberufe praktisch kennenlernen. Über 150 Betriebe beteiligen sich derzeit und erste Teilnehmende haben bereits während des Freiwilligen Handwerksjahrs in eine Ausbildung gewechselt.
Auch in Bayern sehen viele Handwerksorganisationen, darunter die Handwerkskammer für München und Oberbayern, großes Potenzial in einem solchen Modell.
„Rund 70 Prozent der Auszubildenden finden ihren Ausbildungsplatz über ein Praktikum. Genau hier setzt das Freiwillige Handwerksjahr an: Es ermöglicht jungen Menschen praxisnahe Berufsorientierung und hilft Betrieben, passende Nachwuchskräfte zu finden“, betont Stephanie Schuhknecht.
Ein, wie von der Bayerischen Staatsregierung vorgesehenes, lediglich einzelnes Pilotprojekt ist dabei nicht ausreichend repräsentativ für die sehr unterschiedlichen Wirtschafts- und Ausbildungsstrukturen in Bayern. Während Hochfranken wichtige Impulse liefern kann, ist es sinnvoll, mindestens eine weitere Modellregion – etwa Oberbayern mit seiner hohen Dichte an Handwerksbetrieben und Ausbildungsplätzen – einzubeziehen.
„Ein strukturiertes Modellprojekt in mehreren Regionen ermöglicht es, unterschiedliche Rahmenbedingungen zu berücksichtigen und belastbare Erkenntnisse für eine spätere landesweite sowie bundesweite Einführung zu gewinnen. Bayern kann so eine Vorreiterrolle im süddeutschen Raum übernehmen“, erklärt Andreas Birzele.
Der Änderungsantrag der Landtags-Grünen sieht unter anderem vor
  • Aufbau eines strukturierten Modellprogramms „Freiwilliges Handwerksjahr Bayern“
  • Einrichtung mehrerer Modellregionen, um unterschiedliche wirtschaftliche Strukturen abzubilden
  • Flexible Handhabung der Schulpflicht für Teilnehmende
  • Koordinationsstellen bei den Handwerkskammern
  • Angemessene Aufwandsentschädigung für Teilnehmende
  • Wissenschaftliche Evaluation und begleitende Informationskampagnen
Angesichts des großen Fachkräftebedarfs im Handwerk – bundesweit werden laut Zentralverband des Deutschen Handwerks rund 200.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt – sehen die Landtags-Grünen im Freiwilligen Handwerksjahr eine wichtige Chance für Bayern.