Die Augsburger Grünen fordern, dass die geplante Außenstelle der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in der Halle 116 (Sheridan-Areal) gemeinsam mit einer neu zu gründenden kommunalen Fachstelle für Demokratie und politische Bildung angesiedelt wird. Über diese Kombination beider Institutionen an diesem Standort sei es möglich Gedenken, Erinnern, Lernen und politische Bildung sinnvoll miteinander zu verknüpfen.

Gleichzeitig kritisieren die Grünen, dass die Landeszentrale anders als im Landtagswahlkampf vom Ministerpräsidenten vollmundig versprochen nur in abgespeckter Form eingerichtet werden soll – statt 15 Mitarbeiter*innen werden nur gut 5 Personen in Augsburg angesiedelt: „Das Versprechen von Söder, die Landeszentrale so aufzubauen, dass wirklich umfassende politische Bildung zu neuen Medien dort stattfinden kann, war ein reines Wahlkampfversprechen. Die Lücke muss nun mit kommunalem Engagement gefüllt werden“, sagt Landtagsabgeordnete Schuhknecht. „Dabei ist gerade die Kombination aus Bildung zu aktuellen politischen Geschehen und Erinnern entscheidend, um gegen den sich ausbreitenden Hass vorzugehen“.

Die Stadt Augsburg hat bereits entscheiden, die Halle 116 als Erinnerungs- und Lernort mit den Schwerpunkten Zeit des Nationalsozialismus und Nachkriegszeit zu nutzen. Der Einzug der Landeszentrale ermögliche es nun, Zeitgeschichte und aktuelle politische Bildung miteinander zu verbinden. „Gedenken – Erinnern – Lernen – Bilden. Diese vier Tätigkeiten gehören zusammen. Denn die Geschichte der 1930er- und 1940er-Jahre versteht man nicht ohne Kenntnis unserer gegenwärtigen politischen Ordnung und ihrer Herausforderungen – und umgekehrt.“ so Martina Wild, grüne Oberbürgermeisterkandidatin. „Der historische Nationalsozialismus und die gegenwärtigen Herausforderungen der freiheitlichen Demokratien in der Form populistischer, nationalistischer und chauvinistischer Bestrebungen weisen bei aller Unterschieden auch wichtige Gemeinsamkeiten auf. Beiden gemein ist der Versuch, Emotionalisierung und Desinformation an die Stelle sachlicher Auseinandersetzung treten zu lassen. Wir haben deshalb beantragt, nach dem Vorbild anderer Kommunen auch in Augsburg eine Fachstelle für Demokratie und politische Bildung einzurichten – ebenfalls am Standort Halle 116. Auf diese Weise kann der Anspruch als Friedensstadt weiter mit Leben gefüllt werden.“

Eine inhaltliche Konzeption für die Halle 116 ist der Pressemitteilung angefügt. Sie wurde von Verena von Mutius-Bartholy, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und kulturpolitische Sprecherin, und Dr. Deniz Anan, Stadtratskandidat und Universitätsdozent für das Fach Sozialkunde erarbeitet. Dem Konzept zufolge könnten sich Bürger*innen an einem Ort über die Geschichte von Krieg und Totalitarismus und über aktuelle Herausforderungen der freiheitlich-demokratischen Ordnung informieren. Die vorgeschlagene räumliche Einheit ermögliche zudem Projekte, Ausstellungen und Schulungen, die Phänomene wie Meinungsfreiheit, Boykott, Migration oder die vermeintliche „Lügenpresse“ aus Perspektive der Zeitgeschichte und der gegenwärtigen Gesellschaftswissenschaften zu beleuchten.