Großspurig wurden im Landtagswahlkampf von Markus Söder das 365€ Ticket für Augsburg, Nürnberg und München versprochen – und zwar für Alle. Doch statt einer schnellen Umsetzung stockt es seit langem, der einzige messbare Erfolg ist ein 365€ Ticket für Schüler*innen und Auszubildende in München und Nürnberg, das auch im Augsburger Verkehrsverbund ab August diesen Jahres starten soll.

Wie eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Stephanie Schuhknecht zeigt, will sich die Staatsregierung bis 2024 Zeit lassen, um zunächst den Erfolg dieser 365-€-Tickets für Schüler*innen und Auszubildende zu evaluieren. Ein günstiges Ticket für Alle, wie es die Grünen seit langem fordern, käme dann wahrscheinlich nicht vor Ende des Jahrzehnts.

„Es ist zum Haare raufen: Um bei der Verkehrswende voranzukommen müsste jetzt eigentlich die Devise „Klotzen statt Kleckern“ gelten. Aber die Regierung verschiebt und verzögert leider bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Die Ankündigung einer raschen Umsetzung war einfach nur ein weiteres leeres Versprechen vom Wahlkämpfer Söder“, so Stephanie Schuhknecht.

Hinzu kommt, dass der Freistaat in den Münchner und Nürnberger Verkehrsverbünden Mitgesellschafter ist. Somit erhalten die Städte deutlich mehr Zuschüsse als die Region Augsburg und Schwaben.

„Im Einzugsgebiet des AVV wohnen rund 700.000 Menschen. Eine Region dieser Größe muss vom Freistaat angemessene Fördergelder für den öffentlichen Nahverkehr erhalten“, fordert Deniz Anan, Stellvertretender Vorsitzender der GRÜNEN im Augsburger Stadtrat. Matthias Lorentzen, Sprecher für Öffentlichen Nahverkehr ergänzt: „Die 2018 beschlossene Tarifreform hatte die Vorgabe kostenneutral zu sein. Für eine echte Verkehrswende muss aber mehr Geld in die Hand genommen werden.“

Doch nicht nur beim 365€ Ticket sieht es düster aus. Bayern besteht aus einem Flickenteppich an Verkehrsanbietern, was ein kundenfreundliches, einheitliches Tarifsystem fast unmöglich macht. Auch hier wollen die Grünen schnell Verbesserungen.

„Wir können es uns nicht erlauben, hier noch länger wichtige Entscheidungen zu verschlafen“, so Schuhknecht. „Der Lückenschluss muss aktiv angegangen werden. Nur wenn flächendeckende Verkehrsverbünde in ganz Bayern bestehen und nicht mehr mit unzähligen Busunternehmen einzeln verhandelt werden muss, kann ein wirklich attraktiver ÖPNV in Bayern entstehen.“